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In allen Gesten, allen Worte meiner Kollegen kann ich heute mühelos das Ich-weiß-was-du-gestern-abend-getan-hast erkennen. Birgit, meine Sekretärin, scheint mich besonders spöttisch anzulächeln, als ich ihr die Hand gebe. Esther, die Grafikerin, legt offenbar einen besonders süffisanten Unterton in ihre tägliche Frage nach dem gestrigen Feierabend. So schnell es geht, verziehe ich mich in mein Büro. Der tägliche Kleinkram, Post, Ablage, Delegieren... Ich habe gut zu tun und dennoch will die Zeit nicht vergehen. Es wird zehn. Ich lauere auf das Telefon. Alle möglichen Leute rufen an, wollen irgendwelche Dinge geregelt wissen, doch sie ist nicht dabei. Alle Viertelstunde schaue ich bei Notes nach: keine Post von ihr. Es wird elf. Wir könnten uns zum Mittag verabreden, auf einen Happen beim Griechen gegenüber, oder einen Döner beim Türken zwei Querstraßen weiter. Soll ich sie anrufen? Es wird zwölf. Richard, ein Kollege, sieht in meinem Büro vorbei. »Was machen wir heute Mittag?« Ich zögere nur kurz. »Mittag, was sonst.« Wir gehen zum Fleischer und bedienen uns an der heißen Theke. Das Gespräch plätschert dahin, über das Fernsehprogramm von gestern - ich bin sehr einsilbig -, den lästigen Kollegen aus meiner Abteilung, der es geschafft hat, trotz ausgewiesener Nichteignung an allen anderen vorbei befördert zu werden... Ich überlebe die halbe Stunde, ohne mich zu verplappern. Zurück in der Firma, beim nachmittäglichen Kaffeeklatsch, halte ich an mich, als die Rede wieder auf Astrids Affären kommt. Warum bringt Birgit das Thema ausgerechnet heute wieder aufs Tapet? Sie sieht mich lauernd an und fragt mich mit ihrem zuckersüßen Augenaufschlag: »Hast du was mit Astrid?« Ich spüre, dass mir das Blut in den Kopf schießt. Mühsam schüttele ich den Kopf. »Wie kommst du denn darauf?« Hat sie gesehen, wie ich heute morgen aus ihrem Auto geklettert bin? »Na, mein Bester, du läufst doch sonst nicht mit Scheuklappen durch die Gegend? Hast du ihre Urlaubskarte nicht gelesen?« Astrid hat mir eine Karte geschickt? In die Firma? Um Himmels Willen! »Wo ist die Karte?« Birgit erhebt sich und greift über mich hinweg zu der kleinen Pinnwand. Ein Stück bunter Karton flattert mir in den Schoß. Monument Valley und unnatürlich blauer Himmel. Ich lese. Tatsächlich, ganz am Ende, ein winziger Nachsatz mit vielen lieben Grüßen an mich. Mit fahrigen Händen stecke ich die Karte wieder fest und lasse mir Zeit dabei. Ich ahne Birgits Blicke hinter mir. »Ist dir das eigentlich angenehm?« Ich lasse mich in die Polster fallen und nehme erst einmal einen langen Schluck. »Es ist eine ungewöhnliche Situation.« Hoffentlich klang das jetzt so cool, wie ich das wollte. Es ist eine ungewöhnliche Situation. Sie ruft nicht an, sie schickt keine Mail. Es wird fünf, und ich schließe die Bürotür hinter mir. Astrid geht mir nicht aus dem Kopf. Noch viel weniger kann ich begreifen, dass sie sich nicht meldet. Ich habe viel Zeit, um nachzudenken. Auf dem Weg zum Bahnhof, während der Stunde Zugfahrt, einen ganzen endlosen Abend lang in meiner Wohnung, die halbe Nacht schlaflos im Bett. Immer wieder das Bild von ihr: Astrid hinter einer Glasscheibe, nackt, sie presst ihre Brüste, ihre Brustwarzen, gegen das kühle Glas. Ihre Brüste verlieren die räumliche Dimension. Eine Masse prallen Fettgewebes, mittendrin das tiefe Tal dazwischen. Wassertropfen auf ihrer Haut. Die Tropfen verbinden sich, rinnen ineinander. Mein Blick wandert tiefer. Ein kleiner Bauch. Ihr Nabel. Kräftige Schenkel. Ein dunkles Dreieck. Ich möchte gern mehr sehen, doch die Glasscheibe beschlägt immer stärker... Zwischen den Beinen spüre ich wohlige Wärme. Astrid bewegt sich hinter der Glasscheibe. Nur noch ihre Umrisse sind zu erkennen, unklar und verschwommen. Sie wiegt sich in den Hüften, stützt sich mit den Händen an der Scheibe ab... Birgit bemerkt am nächsten Morgen sofort, dass ich unausgeglichen und unausgeschlafen an meinen Arbeitsplatz schleiche. »Wenn du was mit Astrid hast, dann lass es mich wissen, bitte, nicht dass... nicht dass ich irgendetwas falsches sage.« Woher nur nimmt sie diese Sicherheit? »Mach dir keine Sorgen.« »Bitte nicht mit Astrid!« Esther erzählt vom Keimzeit-Konzert gestern Abend. Wilhelm war da, mit einer Bekannten, und auch Astrid. Und sie hätte sich etwas komisch benommen, als Wilhelm mit seiner Bekannten dort aufkreuzte. So, als hätte sie fest damit gerechnet, dass Wilhelm an diesem Abend ihr gehören würde. »Und nun musste ich mich ja wohl oder übel ein bisschen um sie kümmern, oder? Ich konnte sie doch nicht allein dort herumstehen lassen. Das war vielleicht eine blöde Situation, kann ich dir sagen.« Na, Esther, was ich dir sagen könnte! Ich begreife, warum sie sich gestern nicht gemeldet hat. Mit knallenden Türen verziehe ich mich an meinen Schreibtisch. Ich ahne Esthers verständnislosen Blick hinter mir. Das Telefon. Ihre Nummer. Es ruft. Astrid meldet sich. »Grüß dich.« »Hallo!« »Ich wollte mal hören, wie es dir geht.« »Oh, mir geht's gut. Und dir?« »Danke. Machen wir heute Abend was zusammen?« Ich lauere auf ein Zögern von ihr, ein Schwingen in der Stimme, das Unsicherheit verraten würde. »Du holst mich ab, und wir fahren zu mir?« Kein Zögern, kein Schwingen. »Ich wollte dich zum Essen einladen.« »Das ist nett. Hast du Lust auf Spanisch?« »Ich dachte eher an gutbürgerlich, wo ich auch mal ein Bier trinken kann, ohne gleich aufzufallen.« »Gern. Holst du mich ab?« Natürlich. »Dann bis nachher. Gegen fünf, einverstanden?« »Bis nachher, ich freue mich. Tschüss.« Sie legt auf. Da werde einer aus den Frauen schlau. Welches Spiel spielt sie mit mir? Wir sitzen auf einer Polsterbank an einem kleinen Ecktisch; das Lokal im Stadtzentrum ist nur mäßig besucht. Ich gebe mich wortkarg. Astrid scheint zu spüren, dass für mich etwas zwischen uns steht. Ab und an versucht sie, das Gespräch in diese Richtung zu lenken, doch ich weiche ihr aus. Ich will selbst bestimmen, wann ich meinen Trumpf auf den Tisch lege. »Hast du mich vermisst?« »Ja.« Und ich muss nicht einmal lügen. »Ich habe dich auch vermisst.« »Hm.« »Magst du Keimzeit?« Ich bin überrascht. »Ja, geht so.« »Ich war gestern zum Konzert.« Berechnung, weil sie weiß, dass ich mit Esther darüber gesprochen haben könnte? »Hat es dir gefallen?« »Ja, war ein richtig guter Abend.« Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: »Schade, dass du nicht mit dabei warst.« »Ich habe auf einen Anruf von dir gewartet.« »Oh, entschuldige, es war so viel Stress gestern. Du weißt doch, wenn man aus dem Urlaub kommt... Ich weiß, ich hätte es dir sagen sollen.« Ich suche ihren Blick, und sie weicht mir nicht aus. Flackernde Schatten vom Licht der kleinen Kerze auf ihrem Gesicht. »Ich bin - ich war schon monatelang mit Wolfgang für dieses Konzert verabredet.« »Ich weiß, dass Wolfgang auch da war.« »Dachte ich mir. Esther?« »Hm.« Schweigen. Ich greife nach meine Bierglas, noch halb voll, drehe es in der Hand, stelle es wieder ab. Mit dem Zeigerfinger fahre ich über den Rand des Glases. Winzige Unebenheiten. Ich nehme einen Schluck. Das Bier schmeckt abgestanden und bitter. Sie sieht mich immer noch an, und setzt ihre Worte fein säuberlich nebeneinander. »Ich brauche dich jetzt.« »Ja.« Astrid rutscht auf der dunklen Polsterbank dicht an mich heran, kuschelt sich an mich. Ich lege meinen Arm um sie und bin glücklich, ihren warmen Körper zu spüren. Ihr Haar verströmt einen milden Duft, Limonen und grüne Äpfel. Ganz kurz nur steigen alte Erinnerungen hoch an meine erste Begegnung mit diesem Duft nach grünen Äpfeln. Ich winke der Kellnerin. Sie steigt die enge und steile Treppe im Haus ihrer Eltern vor mir nach oben. Immer vier, fünf Stufen vor mir, ist ihr Hintern, wie gestern in Jeans verpackt, direkt vor meinen Augen. Meine Augen suchen, ob sich der Saum ihres Slips durch den groben Stoff abzeichnet. Astrid erreicht die kleine Empore am Ende der Treppe wenige Sekunden vor mir. Sie dreht sich um und sieht mir zu, wie ich die letzten Stufen heraufklettere. Ich mache direkt vor ihr Halt, sie tippelt mit winzigen Schritte rückwärts. Ich folge ihr, mit ebenso kleinen Schritten, bis sie die Tür zu ihrer kleinen Wohnung im Rücken spürt. Mit beiden Händen presse ich ihre Schultern an das Holz und küsse sie. Sie krallt beide Hände in meinen Hintern und drückt mich an sich. Wir keuchen beide vor Lust. Mit lautem Poltern fällt irgendetwas zu Boden. Sie stößt mich von sich: »Leise!« Unten, im Erdgeschoss, sind Schritte zu hören, eine Tür geht. »Astrid, bist du das?« Astrid legt mir einen Finger auf den Mund. Ich halte den Atem an. »Ja, Mutti.« »Kommst du noch essen?« »Nein, hab schon gegessen.« Mutter und Tochter wünschen sich eine gute Nacht. Auf Zehenspitzen folge ich Astrid in ihre Wohnung. Voller Gier auf sie beginne ich mich zu entkleiden. Hemd, Unterhemd, Hose, Schuhe, Slip. Unsere Sachen fallen beinahe im Takt. Astrid macht keine Umstände, sich vor mir zu entblättern. Ich lasse mich in einen Sessel fallen. Mit einer Hand angele ich nach ihr, als sie aus ihrem Slip steigen will. Sie verliert das Gleichgewicht, kommt ins Stolpern. Ein kleiner spitzer Schrei. Sie fällt mir rücklings in den Schoß. Es ist an mir, zu schreien: Mein bestes Stück nimmt solche Aktionen im aufgerichteten Zustand ziemlich übel. Sie rückt sich zurecht, sitzt schließlich rücklings auf mir. Ich streiche über ihren Leib, taste nach ihren Brüsten. Mit den Fingerspitzen fühle ich ihre Brustwarzen, hart und genauso heiß wie vorgestern. Astrid greift nach einer meiner Hände und führt sie zu ihrem Gesicht. Sie legt meine Hand auf ihren Mund und saugt daran. Ich beschäftige mich mit ihren Nippeln. Ihre Schultern bedecke ich mit Küssen. Immer wieder ihre Haare in meinem Mund. Ich vergrabe mein Gesicht in ihren Haaren und atme ihren Geruch. Zwei, drei Atemzüge lang grüne Äpfel. Ihre Hände zwischen meinen Beinen. Ihr gekrümmter Rücken vor mir. Meine Hände treffen auf ihre, irgendwo, meinen Augen entzogen. Sie spielen ein Spiel miteinander, berühren sich, verlieren sich. Ich will ihre Nässe greifen, ich kann sie spüren mit den Fingerspitzen, und ihre Hitze. Doch Astrid spielt ein Spiel mit mir. Gerade, dass Astrid mich die Spitzen des Gekräusels zwischen ihren Schenkeln tasten lässt, mehr lassen ihre sanften Finger nicht zu. Sie greifen nach meinen, führen sie auf andere Wege, lassen sie mich auch selbst berühren. Die Gier ist auf einmal vorüber. Ich genieße. Ganz bewusst spüre ich, was sie mir zeigen will. Zarte, weiche Haut: ihr Bauch. Ein Hauch von Flaum unter meinen Fingern: ihre Schenkel. Innen etwas rauher, außen warm und samtig. Ein kleiner Hügel, kühl, scharf abgegrenzt: Eine Narbe. Sie schnurrt vor Vergnügen wie ein kleines Kätzchen. Meine Hände werden fordernder. Astrid lehnt sich zurück, stützt sich mit beiden Armen auf. Ich streichele die Innenseite ihrer Schenkel, wage mich ganz nach oben hinauf. Wie ein Wald wächst da plötzlich ein drahtiges Etwas unter meinen Händen. Ich suche die längst geöffnete Spalte, spüre Feuchtigkeit, zäh und klebrig. Ich versuche mir vorzustellen, wie es jetzt da aussehen mag. Vorsichtig, nur mit der Kuppe beider Zeigefinger, dringe ich in sie ein. Aus dem Schnurren irgendwo halb vor, halb über mir, wird ein heiseres Knurren. Synchron zeichnen beide Finger die Konturen ihres Geschlechtes nach, finden schließlich die kleine harte Perle. Astrid rückt unruhig hin und her. Sie formt ein Hohlkreuz und hebt ihren Körper an. Sie rückt ein kleines Stück nach vorn und lässt ihren Körper ganz langsam nach unten sinken. Ein Stück noch rutsche ich zurück, sitze schließlich kerzengerade, den Rücken an die Lehne gepresst. Ich dringe in sie ein. Eine Brust für jede Hand. Astrid bewegt sich träge zunächst, dann langsam schneller. Ihr Brüste wippen in meinen Händen, harte Nippel zwischen meinen Fingern. Es gibt ein leises schmatzendes Geräusch, wenn sie ihren Hintern fallen lässt, und wenn sie ihn hebt, kann ich ahnen, wie mein bestes Stück in ihr verschwindet. Wir finden unseren Rhythmus. Ich halte mich nicht zurück, als ich soweit bin. Sie spürt diesen Moment. Sie beugt sich nach vorn. In den folgenden Sekunden scheint sie ganz auf sich konzentriert. Sie reitet sich auf mir zum Höhepunkt, ich weiß, dass mein Schmerz ihr Lust bereitet. Heftig atmend, lässt sie sich nach hinten fallen. Sie liegt auf mir. Ich streichele ihre Brüste, ihre Rippen unter einer dünnen Fettschicht, die zarte, weiche Haut ihres Bauches. Irgendwann steht sie auf. »Ich bin müde.« Astrid dreht mir den Rücken zu und verschwindet im Bad. Nach wenigen Augenblicke taucht sie wieder auf, ein dünnes Nachthemd verhüllt ihren Körper. »Du kommst nach?« Ich nicke. Auch ich besuche rasch das winzige Badezimmer, folge ihr. Sie liegt auf dem Rücken und öffnet die Augen zu kleinen Spalten, als ich ihr Schlafzimmer betrete. »Du musst mir glauben: Zwischen Wolfgang und mir ist nichts.« »Das ist mir im Moment gleich.« Ganz ehrlich bin ich nicht. Gleich ist es mir keinesfalls. Doch jetzt ist ganz bestimmt nicht der richtige Moment. Themawechsel. »Weißt du, woran mich der Duft deiner Haare erinnert?« »Nein.« Ich krieche unter die Bettdecke und spüre die wohlige Wärme darunter. »An meine allererste Liebe. Ich habe damals so lange gesucht, bis ich dieses Shampoo bekommen habe.« »Hast du es ihr geschenkt?« »Nein.« Ich schüttele den Kopf, obwohl sie das in der Dunkelheit kaum sehen kann. »Wenn ich an sie erinnert werden wollte, habe ich mir die Haare gewaschen.« Sie lacht. »Du hast ihr sicher nie etwas davon gesagt?« Wie recht sie doch hat. Ich sollte ehrlich zu ihr sein, und offen mir ihr reden. Morgen. Morgen ganz sicher. Als sie eingeschlafen ist, liege ich noch lange wach.

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